Montag, 7. März 2016

Blog-Wichteln

Ich gehöre einem wunderbarem Netzwerk an, dem texttreff. Hier versammeln sich Frauen, die in irgendeiner Form beruflich mit Sprache zu tun haben, also Texterinnen, Lektorinnen, Übersetzerinnen usw. Jedes Jahr veranstalten wir das Blog-Wichteln. In diesem Jahr hat mich meine Kollegin Sabine Schlimm beschenkt. Vielen Dank dafür!

Die Küche in der Fahrradtasche: Lieblingsgerichte vom Campingkocher



Willkommen in der Outdoor-Küche
© Sabine Schlimm
Zu sagen, dass ich gerne gut esse, wäre eine Untertreibung. Ich esse sehr gerne gut, und Urlaub wäre kein Urlaub, wenn er nicht auch eine Genusskomponente hätte. Andererseits sind mein Lieblingsreisebegleiter und ich häufig mit Fahrrad und Zelt unterwegs – nicht zuletzt deshalb, weil wir uns als Langzeitprojekt die Umradelung der Ostsee in Etappen vorgenommen haben. Auf dieser Strecke sind nicht nur die Gourmetrestaurants dünn gesät, sondern Restaurants jeder Art. Ohnehin finde ich es anstrengend, jede meiner Mahlzeiten aus einer Speisekarte aussuchen zu müssen – mal ganz abgesehen davon, dass die Auswahl in vielen Gegenden schwierig wird, wenn man nicht ständig Fleisch essen möchte. Und natürlich koche ich gerne selbst. Also wandert bei unseren Urlaubsvorbereitungen als Erstes der gute alte Trangia-Gaskocher in die Packtaschen.

Rezeptauswahl mit Tücken

Zum Einsatz kommt er durchschnittlich jeden zweiten Abend. Das heißt aber, dass die Speisekarte des Gasthauses „Vor dem Zelteingang“ nicht auf Nudeln mit Tomatensauce beschränkt sein darf. Denn wer (jenseits des Alters von fünf) will das schon an drei bis vier Tagen in der Woche essen? Abwechslung muss also her. Campingtaugliche Abwechslung. Das heißt:

  • Die Gerichte müssen schnell gehen. Nicht nur, weil der Hunger nach einer Fahrrad-Tagesetappe mittelgroß bis brüllend ausfällt, sondern auch, weil man ein bisschen mit dem Campinggas haushalten muss, will man nicht eine ganze Packtasche für Kartuschen reservieren.
  • Das Essen muss satt machen. Salate oder Gemüsesüppchen taugen nicht als Verpflegung für die Fahrrad- oder Wandertour.
  • Die Kocherei muss sich mit einem großen und einem etwas kleineren Topf sowie einer Pfanne (die gleichzeitig als Topfdeckel dient) bewältigen lassen. Und zwar nacheinander – schließlich steht nur eine Gasflamme zur Verfügung.
  • Die Zutaten sind im Zweifel auf das beschränkt, was ein kleiner Dorfsupermarkt im Angebot hat.
  • Außerdem müssen sich die Zutaten in einer einzigen Mahlzeit verbrauchen lassen, denn Vorräte können wir nur sehr begrenzt mitnehmen. Gut, das angebrochene Päckchen Reis oder eine übrig gebliebene Möhre lassen sich schon verstauen, aber alles, was sehr druckempfindlich ist oder gekühlt werden muss, ist raus. Also zum Beispiel Milch und Sahne.

Kochen im Birkenhain: Da schmeckt's noch mal so gut!
© Sabine Schlimm

Campingküchen-Speisekarte: Die Sattmacher

Hmm. Was bleibt da jetzt übrig? Ehrlich gesagt: noch eine ganze Menge. Fangen wir mal mit der Sattmacher-Basis an:

  • Nudeln: gehen natürlich immer. Allerdings haben sie den Nachteil, dass man das Wasser abgießen muss. Da wir nicht extra ein Sieb mitnehmen, hat das immer eine etwas unkomfortable Hantiererei mit Topf, Deckel und zwei Griffen zur Folge. Und ja, es ist auch schon vorgekommen, dass ein Nudelgericht zwischen den Zähnen knirschte, weil ein Teil der Mahlzeit Bekanntschaft mit dem Boden gemacht hatte. (Abspülen, trotzdem essen. Besser, als hungrig auf die Isomatte zu gehen.

  • Reis: ist als Quellreis sogar unkomplizierter als Nudeln. Und dazu braucht man noch nicht mal mit Reisbeuteln zu hantieren! Für zwei Mittelhungrige 1 Campingbecher Reis in den Topf geben, 1,5 Campingbecher Wasser dazu, salzen, aufkochen. Nach dem Kochen auf kleinster Flamme 7 Minuten mit Deckel köcheln lassen, dann vom Kocher nehmen. Den Topf in ein Geschirrtuch wickeln, möglichst noch einen Fleecepulli drumherum, und den Reis 5–7 Minuten quellen lassen. Oder bis der Rest fertig ist. Mit Naturreis klappt diese Methode nicht; der braucht viel länger und ist daher für unterwegs keine Alternative.

  • Couscous: Für die Campingküche gibt es nichts Praktischeres. In eine gut verschließbare Tüte abgefüllt (Gefrierbeutel mit Verschlussklemme), lässt er sich perfekt in Lücken in der Packtasche stopfen. Und die Zubereitung könnte nicht einfacher sein: für zwei Leute 1 Campingbecher Couscous mit etwas Salz in einen Topf geben, 1 Campingbecher Wasser aufkochen, darübergießen, Deckel drauf, quellen lassen. Das war’s. Das lässt den Kocher für das Dazu frei. Ist das fertig, braucht an den Couscous nur noch mal mit der Gabel aufzulockern.

  • Buchweizen (ganze Körner): großartige Alternative, wenn man in Osteuropa unterwegs ist, wo es ihn in jedem Laden gibt. Schmeckt schön nussig und ist mit der Quellreismethode genauso schnell gar wie Reis.

Hier kriegt man auf jeden Fall Brot. Und sonst?
© Sabine Schlimm

Geschmacks-Sachen

Was der ganzen Sache Geschmack, Farbe und Vitamine gibt, ist Gemüse nach Supermarkt-Vorratslage. Wobei das mit dem Geschmack so eine Sache ist. Denn wo ich zu Hause beherzt ins Gewürzregal greifen kann, um Aroma-Abwechslung auf den Teller zu bringen, fördert der Griff in die Fahrradtaschen bei mir nur Salz zutage. Und vielleicht ein paar Papiertütchen mit Zucker, die ich bei der Nachmittagspause eingesteckt habe, statt sie in meinen Kaffee zu leeren.


Warum ich nicht diese herzigen Multi-Gewürzstreuer mitnehme, die jedes Outdoorgeschäft strategisch bei den Kassen platziert? Weil die darin enthaltenen Gewürzmengen gerade mal dazu taugen, ein Frühstücksei aufzupeppen (falls ich es denn mit Currypulver essen möchte). Nee, zum Kochen bringen die nichts. Ich glaube, wir hatten auf Fahrradtouren schon mal eine kleine Pfeffermühle dabei. Aber das war’s. Also Gemüse ganz pur? Ja, oft. Was gut ohne aufregende Gewürze geht, sind zum Beispiel diese Gerichte:

Schmorgurken

Das Rezept funktioniert auch mit Salatgurken, die wirklich jeder noch so kleine Dorfladen im Regal liegen hat.

Für zwei Leute zuerst Reis, Couscous oder Buchweizen vorbereiten und quellen lassen (siehe oben). 1 Zwiebel schälen und in Ringe schneiden. 1–2 Salatgurken (je nach Topfgröße) schälen (ja, das geht mit dem Messer; allerdings stecke ich immer einen Sparschäler ein), längs halbieren und den glasigen inneren Teil mit einem Löffel herausschrappen; der würde die Sache allzu wässrig machen. Die Gurkenhälften noch mal längs halbieren und in Stücke schneiden. Ca. 5 Tomaten halbieren, Stielansätze herausschneiden und die Tomaten grob würfeln.

Jetzt 1–2 Esslöffel Öl in den Topf, die Zwiebel anschwitzen, das Gemüse dazugeben, salzen und alles zugedeckt köcheln lassen, bis die Tomatenwürfel mehr oder weniger zerfallen und die Gurken glasig geworden sind. Das dauert 10–15 Minuten. Bei üppigem Gasvorrat und nicht gar so großen Hunger darf das Gemüse aber auch gerne noch offen eine Weile weiterköcheln.

Falls der Supermarkt frischen Dill hatte: Bingo! In Osteuropa ist das gar nicht mal so unwahrscheinlich. Den Dill fein schneiden und zum Schluss unterrühren. Petersilie geht auch, erfordert aber etwas enthusiastischeres Hacken. Das Gemüse mit Salz, Pfeffer (falls im Gepäck) und ein, zwei Kaffeetütchen Zucker abschmecken.

Wenn es im Supermarkt kleine Becher mit Sauerrahm gab, kommt zum Essen auf jede Portion ein großer Klacks (wie gesagt: keine Reste entstehen lassen!). Alternativ könnte man zum Gurkengemüse Spiegeleier in die Pfanne hauen. Oder Feta braten. Oder Räucherfisch servieren. Oder dünne Scheiben von rohem Schinken dazulegen.

Lauwarmer Couscoussalat

Voraussetzung dafür ist ein bisschen Kraft in den Händen. Denn die Säure in diesem Salat kommt vom Zitronensaft, und der muss aus der Zitrone ja erst mal raus. Da wir natürlich keine Zitronenpresse dabei haben, muss die Frucht halbiert und dann gequetscht werden. Das geht übrigens noch besser, wenn man vorher mit einer Gabel von der Schnittfläche aus ein bisschen im Fruchtfleisch herumstochert. Aber so weit sind wir noch nicht.

Zuerst wird Couscous gekocht (siehe oben) und zum Quellen beiseitegestellt. Jetzt wird Gemüse gewürfelt: je nach Angebot Frühlingszwiebeln (wer keine findet und rohe Zwiebel gut verträgt, kann natürlich auch eine einfache Küchenzwiebel nehmen), Gurke, Tomaten, Paprikaschote. Sofern Kräuter wie Schnittlauch, Petersilie, Basilikum aufzutreiben waren (vielleicht sogar vorgehackt als Tiefkühlware): gerne rein damit. Feta in Würfeln ist auch eine prima Idee.

Alles mit dem Couscous mischen und mit einem großen Glugg Öl, Zitronensaft und Salz abschmecken. Natürlich schmeckt der Salat noch toller, wenn er etwas durchziehen durfte. Aber bei akutem Hunger verzichten wir darauf lieber.

Bei Radurlauben will das Gepäck wohlgeplant sein.
© Sabine Schlimm

Die Grenzen der puren Küche

Auch Eintopf haben wir schon gekocht: Wenn man Kartoffeln, Möhren, Lauch klein genug würfelt, ist alles in vertretbarer Zeit fertig. Mit Hülsenfrüchten wird die Sache noch sättigender: Rote Linsen sind superschnell gar, allerdings nicht auf jedem Dorf zu finden (und man schleppt im Zweifel die halbe Packung weiter, denn ganz aufbrauchen wird man die nicht). Aber ein Blick in die Dosenabteilung fördert oft Linsen, Bohnen oder Kichererbsen zutage. Und wer Fleisch isst und ein schönes Stück Speck oder eine pikante Wurst findet, hat damit auch das Würzproblem gelöst.

Schön viel Geschmack bringt Lauch mit. Für Lauchgemüse mit Käse lässt man entweder Schnittkäse auf dem schön weich geschmorten Lauch schmelzen, oder man rührt Schmelz- oder Frischkäse ein. Dazu gibt’s Reis oder Nudeln. Und auch Sauerkraut kommt fast ohne Gewürze aus und schmeckt zum Beispiel mit einer Paprikaschote geschmort zu Buchweizen.

Aber irgendwann wird die pure Gemüseküche doch ein wenig eintönig. Ich jedenfalls vermisse früher oder später die Abwechslung, die Gewürze in meine Küche bringen. Für diese Momente habe ich inzwischen eine Lösung gefunden: Ich nehme immer zwei, drei … na, so Fix-Päckchen mit. Halt! Hier bleiben! Bevor ihr euch jetzt mit Schaudern wendet, weil eine Foodbloggerin UND Kochbuchautorin öffentlich eingesteht, zu Industrietütchen zu greifen: Ich kann das erklären.

Die Fix-Tüten, die ich meine, kaufe ich im Bioladen, und wenn man die Packungen umdreht und auf die Zutatenliste guckt, stellt man fest, dass es im Grunde reine Gewürzmischungen sind. Keine Geschmacksverstärker, keine Konservierungsmittel. Klar, zu Hause brauche ich solche Packungen nicht, um eine marokkanische Tajine, ein indisches Korma oder eine mediterrane Gemüsepfanne zu kochen. Aber zu Hause habe ich auch ein ganzes Gewürzregal zur Verfügung.

Für Radreisen dagegen sind diese Päckchen praktisch. Die Zubereitungsanweisung, die daraufsteht, betrachte ich nur als Vorschlag. Stattdessen würze ich mit dem Päckchen, was eben gerade vorhanden ist. Hähnchenfleisch? Och nö, Blumenkohl schmeckt mit indischer Würze auch toll. Kokosmilch? Im Zweifel geht’s auch ohne. Das heißt, ich benutze diese Päckchen als Gewürzmischungen, die eben praktischerweise in Portionen abgepackt sind. So ist es möglich, zwei oder drei der flachen Tütchen in die Fahrradtasche zu packen und damit Abwechslung in die Campingküche zu bringen.


Und dann doch: Spaghetti mit Tomatensauce

In der Tasche schmiegen sich die Tütchen dann innig an die Packung Spaghetti und die fertige Tomatensauce. Äh. Wie bitte? Das auch noch? Ja. Denn es gab zwei-, dreimal Situationen, in denen wir unterwegs hungrig auf die Isomatte gehen mussten: weil weit und breit kein Laden zu finden war oder weil der Campingplatz den geplanten Einkaufsausflug durch eine rigide Absperrpolitik vereitelte (wir wären zwar raus-, aber nicht wieder reingekommen). Seitdem habe ich mir geschworen, dass ich nie, nie ohne eine Notration Spaghetti mit Tomatensauce aufs Rad steige. Und ehrlich: Hin und wieder schmecken die auch echt gut.


© Sabine Schlimm
Zur Autorin: Sabine Schlimm, Texterin, Lektorin und Übersetzerin, beschäftigt sich auch beruflich am liebsten mit dem Thema Essen und Kochen. Inzwischen hat sie nicht nur viele Kochbücher lektoriert und übersetzt, sondern auch etliche selbst geschrieben. Über die emotionale Seite des Essens bloggt sie unter http://www.schmeckt-nach-mehr.de

Dienstag, 26. Januar 2016

Greenpeace-Report: Schädliche Stoffe in Outdoor-Ausrüstung


In Outdoor-Ausrüstung befinden sich oft
schädliche Chemikalien.

©berggeist 007/pixelio.de
Greenpeace hat einen Produkttest durchgeführt und dabei Ausrüstungsgegenstände führender Outdoor-Marken auf gefährliche Chemikalien überprüft. Das Ergebnis wurde nun auf der Sportmesse ISPO in München vorgestellt.

Getestet wurden Jacken, Hosen, Schuhe, Zelte, Rucksäcke, Schlafsäcke, Handschuhe und ein Kletterseil. Es wurde untersucht, ob sich PFC oder PFOA in den Produkten befinden. PFC sind per- und polyfluorierte Chemikalien, PFOA steht für gesundheitsschädliche Perfluoroktansäure. 

Das Ergebnis ist ernüchternd: Von 40 getesteten Artikeln enthielten nur vier keine PFC. In elf Produkten konnte PFOA in hoher Konzentration nachgewiesen werden. Betroffen sind große Marken wie The North Face, Mammut, Jack Wolfskin und Haglöfs, aber auch viele andere.


Warum sind PFC und PFOA gefährlich?


Die Giftstoffe reichern sich
unter anderem im Wasser an.
©terramara/pixelio.d
e
Diese Chemikalien können sich bei der Herstellung der Produkte, aber auch später noch bei der Verwendung der Ausrüstungsgegenstände in der Natur anreichern. Bei mehreren Expeditionen in entlegene Weltgegenden konnte Greenpeace durch Schnee- und Wasserproben nachweisen, dass diese Anreicherung auch tatsächlich geschieht. Das ist deshalb ein Problem, weil PFC-Verbindungen in der Natur nicht vorkommen und deshalb kaum abgebaut werden können. PFC können das Fortpflanzungssystem schädigen, krebserregend wirken und das Hormonsystem, insbesondere die Schilddrüse und das Immunsystem stören.


Warum werden PFC verwendet?

Die Detox-Kampagne von Greenpeace
ruft Outdoor-Firmen dazu auf, auf PFC zu verzichten.

Gabriele Planthaber/pixelio.de

PFC sorgen dafür, dass Wasser und Schmutz von Outdoor-Kleidung abperlen. Außerdem sind sie Bestandteil wasserdichter Membranen, die zum Beispiel in GORE-TEX-Produkten verwendet werden. Es gibt allerdings umweltfreundliche Alternativen zu PFC. Wetterfest sind beispielsweise Textilien aus Polyester und Polyurethan. Funktionskleidung aus PFC-freiem Material bieten Hersteller wie Fjällräven oder Paramo an.




Detox-Kampagne


Um auf die schädliche Wirkung von PFC auf Mensch und Natur aufmerksam zu machen, hat Greenpeace die Detox-Kampagne initiiert. Im Internet können Outdoor-Freunde eine Petition unterzeichnen, die Outdoor-Firmen aufruft, PFC-freie Ausrüstung herzustellen. Auf der Seite von Greenpeace kann man sich außerdem genauer über die schädliche Wirkung dieser Chemikalien informieren.

Was haltet ihr von der Kampagne? Schreibt einen Kommentar!

Dienstag, 19. Januar 2016

Almabtrieb in Söll – traditionsreiches Tourismusspektakel


Zum Almabtrieb gehen die Bauern mit ihrem Vieh
schon früh am Morgen oben in den Bergen los.

© TVB Wilder Kaiser

Die Landstraße schlängelt sich idyllisch und einsam durch die Landschaft im Wilden Kaiser. Kaum erreicht man aber Söll, das Ziel der heutigen Reise, ist Schluss mit der Ruhe. Schon von Weitem sieht man die Schwadronen von Reisebussen am Ortseingang stehen, die Zufahrt zum Ortskern ist gesperrt und die Festwiese ist schwarz vor Menschen. Almabtrieb in Söll!

Glocken in allen Größen schmücken
die Hälse der Kühe, Ziegen und Schafe.

© textwelten

Das traditionell jeden Herbst stattfindende Ereignis hat sich vom Brauchtum längst zum Tourismusmagneten gemausert. Am Straßenrand stehen Buden und verkaufen Almabtriebs-T-Shirts, passende Becher und Mousepads. Natürlich kann sich der Nicht-Tiroler hier auch mit Sennerhüten, Karohemden und Krachledernen ausstatten. Wen die Kuhglocken faszinieren, kann sich eine mit nach Hause nehmen – als Schlüsselanhänger oder bis zur Originalgröße, die einige Kilos auf die Waage bringt.

Mehr als Folklore

Am Almabtrieb nehmen auch schon
die ganz Jungen teil
und tragen dabei Tiroler Tracht.

© textwelten
Doch der Almabtrieb in Söll ist mehr als buntes Folklore-Spektakel, bei dem man Kaiserschmarrn essen und Blasmusik hören kann. Wer den Sennerinnen und Sennern zuschaut, die ihre Tiere von den Hochalmen für den Winter ins Tal bringen, der sieht, dass es sich beim Almabtrieb tatsächlich um die viel beschworene gelebte Tradition handelt. Nicht die Alten pflegen den Brauch, sondern die jungen Bauern, die noch im Geschäft sind. Klein und Groß bringt stolz in ortsüblicher Festtagstracht das Vieh ins Tal.

Für die Menschen bedeutet der Talabtrieb eine Erleichterung. Der Aufenthalt im Gebirge den Sommer über ist mühsam und für die Tiere oft gefährlich. Wer auf den Almen lebt, muss mit Stille und Einsamkeit umgehen können und darf außerdem nicht zimperlich sein, wenn es ans Arbeiten geht. Haben aber alle Menschen und Tiere den Sommer auf der Alm gut verbracht, dann ist das eine Feier wert.



Blütenschmuck als Zeichen der Dankbarkeit

Mit buntem Kopfputz aus Blumen und Papier
werden die Tiere nach dem Sommer ins Tal getrieben.

© TVB Wilder Kaiser


Das ist auch der Hintergrund des Almabtriebs: Die Bauern schmücken ihre Tiere mit Blütenkronen und Glocken, um ihre Dankbarkeit auszudrücken, dass alle überlebt haben und gesund sind. Entlang des Wegs zum Heimathof, wo alle den Winter verbringen, werden sie von den Talbewohnern mit Musik und Jubelrufen in Empfang genommen.

Der Almabtrieb ist schon längst
zur Touristenattraktion geworden. 

© TVB Wilder Kaiser


Mittlerweile begrüßen aber eben nicht nur die Einheimischen die Almbauern und ihr Vieh, sondern auch Touristen aus aller Welt. Gemeinsam mit den Dorfbewohnern stimmen sie in den Jubel ein, als die lustige Ziegenherde – deutlich störrischer und wilder als die Kühe – im Ort ankommt. Wenn die Almbauern noch lange zu tun haben, ihr Vieh in den Winterstall zubringen, wird in Söll bis spät in die Nacht die glückliche Ankunft gefeiert. Bei Blasmusik und DJ Raini treffen sich Tradition und Moderne.

Mittwoch, 12. August 2015

Das Mittwochs-Foto #23

Ohne Titel
© textwelten
„Ohne Titel“ schreiben die Bildhauer, wenn sie sich nicht festlegen wollen oder der Fantasie des Betrachters keine Grenzen setzen möchten. Die Bildhauerin dieser Skulptur am Meer ist die Natur. Ihr Werk steht in Capo Testa auf Sardinien. Eine ganze Serie hat sie hier produziert, ein Kunstwerk schöner als das andere.

Montag, 10. August 2015

Robyn Mundy/Nigel Rigby: Fahrt ins Unbekannte. Die größten Entdeckungsreisen


Wer selbst gerne um die Welt reist und Abenteuer erlebt, den faszinieren meistens auch die großen Entdecker der Menschheitsgeschichte. Der Oetinger Verlag hat in seiner Reihe „insider Adventures“ das Kinderbuch „Fahrt ins Unbekannte“ herausgegeben. Darin geht es um die berühmten Entdeckungsreisenden wie James Cook, Thor Heyerdahl, Ferdinand Magellan oder Ernest Shackleton. 


Das Buch richtet sich an junge Leser von 9 bis 11 Jahren und eignet sich für Jungen wie Mädchen. Mit seinen tollen Fotos von den Expeditionen, die zum Beispiel bärtige Männer in unwirtlicher Umgebung und im Packeis festgefrorene Schiffe zeigen, mit den vielen Karten und Illustrationen werden die Abenteuer greifbar. 

Das großformatige Bilderbuch ist reich mit Faltkarten und Postern ausgestattet. So ist es leicht, die Reise der Seefahrer mit all ihren Widrigkeiten nachzuvollziehen. Aber auch die erklärenden Texte sind für Kinder wie für Erwachsene interessant zu lesen. 

Die Kinder erfahren, was zum Beispiel Magellan auf seinen Reisen wiederfahren ist, und lernen einzuordnen, warum seine Expedition damals so wichtig war. Was trieb James Cook an? Was wollte Ernest Shackleton mit seiner Polarexpedition erreichen? Warum riskierte Thor Heyerdahl auf einem simplen Floß sein Leben? Wie erging es dem krebskranken Francis Chichester bei seiner Weltumseglung? All diese Fragen und noch viele mehr werden in diesem Buch beantwortet. 

Für ganz Interessierte gibt es darüber hinaus ein Glossar sowie Zusatzinfos im Kapitel „Gut zu wissen“. Da wird etwa erklärt, wie vielen km/h 5 Knoten entsprechen. Besonders eindrücklich: der Größenvergleich der Schiffe der Expeditionsreisenden mit einem modernen Kreuzfahrtschiff. Wer kleine Leser für große Abenteuer begeistern möchte, ist mit diesem Kinderbuch sicher richtig bedient.


Robyn Mundy/Nigel Rigby: Fahrt ins Unbekannte. Die größten Entdeckungsreisen. 64 Seiten. Oetinger Verlag. 14,95 Euro www.oetinger.de

Mittwoch, 5. August 2015

Das Mittwochs-Foto #22

Alpenidyll
© Christine Hutterer
Die Alpen mit ihren Postkartenansichten erweichen selbst den hartgesottensten Kitschhasser. Mal ehrlich: Wer kann sich einem so friedlichen Anblick schon entziehen? Himmel, Berge, See, Almwiese mit Pferd – da muss man ja zur Ruhe kommen.

Montag, 3. August 2015

Im Test: Der Zustiegsschuh „WS Wildfire Vent“ von Salewa


Peppig kommt er daher, der neue Schuh!
©textwelten
Der Bergschuhspezialist Salewa hat mit dem „WS Wildfire Vent“ einen Zustiegsschuh entwickelt, der nach eigener Aussage vor allem im Hochgebirge, auf felsigen Wegen mit technischem Anspruch und in gemischtem alpinen Gelände zum Einsatz kommen soll. Nicht gedacht ist der Schuh für Schnee und Eis sowie Matsch und Gras.

Ich habe den Schuh in den Alpen getestet. Dabei habe ich ihn seiner eigentlichen Bestimmung zugeführt, nämlich Zustiegsschuh zu Klettertouren im alpinen Gelände zu sein. Außerdem bin ich auf unterschiedlichen Wanderpfaden gegangen, von breiten Waldautobahnen bis zu abschüssigen, schmalen Schotterrampen war alles dabei. Ein Ausflug in die Stadt war für den Schuh übrigens auch drin.

Bei der Wahl des passenden Zustiegsschuhs war mir vor allem das Gewicht wichtig. Mit nur 358 Gramm pro Schuh ist das Modell auch im Vergleich zu anderen Zustiegsschuhen ein echtes Leichtgewicht. Kein Problem also, am Einstieg in die Kletterschuhe zu wechseln und den Zustiegsschuh während der Klettertour im Rucksack zu verstauen. Wer die Schuhe bei solchen Unternehmungen lieber am Gurt befestigt, kann das übrigens mit den Laschen an der Ferse tun.

Sein geringes Gewicht verdankt der „Wildfire Vent“ seiner leichten Verarbeitung. Das Obermaterial ist aus Stoff, genauer sogenanntem Ballistic Mesh. Dahinter verbirgt sich ein atmungsaktives Netzgewebe. So ist der Schuh außerdem gut belüftet und das Fußklima angenehm. Das kann ich nur bestätigen. Ich war im Hochsommer in einer Hitzeperiode unterwegs, fand den Schuh aber immer angenehm am Fuß.

Leicht und trotzdem stabil.
©textwelten
Die Maschen im Obermaterial lassen andererseits Feuchtigkeit durch. Das erklärt auch, warum sich der Schuh nicht für Schnee und Eis oder Matsch eignet. Auch bei starkem Regen ist der Schuh nichts. Hier muss man also Abstriche machen.


Der Schuh ist trotz seiner Leichtigkeit stabil. Das ist wichtig, wenn man in alpinem Gelände unterwegs ist. Zwar verzichtet das Modell auf einen hohen Schaft – immerhin handelt es sich um einen Zustiegsschuh, auch hier muss man dem Gewicht Tribut zollen. Stabil ist das Modell dennoch. Das wird durch gleich drei Eigenschaften erreicht: Zum einen wird das leichte Mesh-Gewebe an den Seiten durch die sogenannte EXA-Shell-Struktur verstärkt, was stabilisierend wirkt. Diese Hülle schützt zusätzlich das Obermaterial vor Verschleiß. Praktisch, bei der extremen Beanspruchung in den Bergen! Die Kletterschuh-Schnürung sorgt zusätzlich für festen Halt im Schuh. Das Plus dabei: Jeder Träger kann die Schnürung individuell an seinen Fuß anpassen. Drittens schließlich hat der „Wildfire Vent“ eine gummierte und feste Zehenkappe. Anstoßen und Stolpern ist somit also kein Problem.

Sehr praktisch: die gummierte Zehenkappe.
©textwelten
Auf dem Weg zum Wandfuß und vom Gipfel wieder runter auf sehr schmalen und gerölligen Trampelpfaden kann ich sagen: Mein Fuß saß wie eine Eins im Schuh und ich habe mich sicher gefühlt, obwohl ich sonst lieber Stiefel in den Bergen trage. Dabei hat natürlich auch die bewährte Vibram-Sohle eine Rolle gespielt. Die hat auch in anspruchsvollerem Gelände gut gehalten. Das gute Profil sorgt ebenfalls für sicheren Tritt. Die Zehenspitze ist weniger profiliert, was genaueres Antreten bei kleineren Kletterpassagen ermöglicht.

Insgesamt bin ich rundum zufrieden mit dem Schuh. Von mir also eindeutig beide Daumen hoch! Der „Salewa Wildfire Vent“ ist für mich der ideale Zustiegsschuh und vereint Leichtigkeit mit Stabilität bei großem Tragekomfort. Die Optik ist ja immer Geschmackssache, aber ich finde, dass er auch für die Stadt viel hermacht. Das Modell gibt es für Damen und Herren in mehreren Farben. Es muss also nicht immer schreiend Grün sein.